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Fleischfressende Pflanzen

Happ, happ und schon ist der grüne Daumen ab. Nein, keine Angst! Fleischfressende Pflanzen verschlingen weder Menschen mit Haut und Haar noch einzelne Körperteile oder das geliebte Haustier. Gefährlich werden die Fleischfresser – auch Karnivoren genannt – höchstens der Stubenfliege und anderen Insekten. Hier erfahren Sie alles, was es über die faszinierenden Gewächse zu wissen gibt:

Was sind fleischfressende Pflanzen?

Abgesehen von Vegetariern und Veganern ernähren sich Menschen von Fleisch, klar. Auch bei Tieren unterscheidet man zwischen Fleisch-, Pflanzen- und Allesfressern. Aber Pflanzen? Normalerweise ziehen sie ihre Nährstoffe aus der Erde.

Fleischfressende Pflanzen allerdings sind in Gegenden beheimatet, deren Böden nicht genügend hergibt. Was macht man also, wenn der Magen knurrt und man nicht umziehen kann, weil man festgewurzelt ist? – Man sucht sich anderes Fressen!

Karnivoren haben im Laufe der Evolution ihre Laubblätter in Fangblätter umgewandelt. Je nach Art fangen und verdauen sie damit Insekten und andere kleine Lebewesen auf unterschiedliche Weise.

Aus der tierischen Beute ziehen sie Nährstoffe, die in ihrer natürlichen Umgebung fehlen: Karnivoren lechzen vor allem nach Stickstoff, Kalium, Phosphor und Schwefel. Zu den fleischfressenden Pflanzen werden auch Präkarnivoren gezählt: Sie fangen ebenfalls Insekten, können den Gaumenschmaus aber nicht verdauen.

Arten-Vielfalt

Die Welt der fleischfressenden Pflanzen ist groß und bunt, mehr als 1000 verschieden Arten wurden bereits entdeckt und es werden immer mehr! Bisher unterscheiden Botaniker 9 Familien und 17 Gattungen. Auch in Deutschland leben die schönen Biester nicht nur auf der Fensterbank: Etwa 15 Karnivoren-Arten sind bei uns heimisch und wachsen in freier Natur.

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Auf dem Speiseplan von Karnivoren:
von klein bis groß

Das Menü unter den Karnivoren reicht vom Einzeller bis zu Säugetieren: Die meisten fleischfressen Pflanzen verspeisen am liebsten kleine Insekten wie Mücken (praktisch!), Ameisen und andere kleine Krabbeltiere sowie Fliegen. Fleischfresser, die im und unter Wasser leben, finden Algen und Plankton lecker.

Richtig gruselig sind große Kannenpflanzen (Nepenthes), die vor allem in tropischen Regenwäldern leben: Sie locken mit ihren süßen Duftstoffen sogar kleine Säugetiere an, vor allem Eichhörnchen-ähnliche Nager, die sie dann verschlingen. Auch Frösche und andere kleine Amphibien landen manchmal im Schlund fleischfressender Pflanzen.

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Schöne Venus führt ins Verderben

Fangmechanismus: beißen

Die Venusfliegenfalle verströmt einen süßen Duft, der der Beute die Sinne raubt. Und wer auf die Verlockung eingeht, ist tot: Feine Sensoren sorgen dafür, dass die Falle im Bruchteil einer Sekunde zuschnappt – die schnellste Bewegung im Pflanzenreich.

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Süße Tentakeln für die letzte Umarmung

Fangmechanismus: kleben

Beim Fettkraut sitzen die süßen Duftstoffe in Tröpfchen auf dem Blatt, beim Sonnentau am Ende von Tentakeln. Einmal gekostet, klebt das Opfer fest und kann sich nicht befreien – bis sich der Rest von Blatt und Tentakeln darum schließen und es verdauen.

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Fall in den Magen ohne Wiederkehr

Fangmechanismus: fallen

Schlauch- & Kannenpflanzen haben solche Zwischenschritte nicht nötig: Über die Süßstoffe locken sie Opfer tiefer in ihren Schlund hinein. Ist die Beute erst einmal auf dem Weg, gibt es kein Entrinnen und keinen Halt mehr – sie fällt in den Magen, wo Verdauungssäfte sehnlichst warten.

Verdauung: das Lebewesen wird Dünger

Karnivoren unterscheiden sich von den Präkarnivoren dadurch, dass sie die fleischige Beute nicht nur fangen, festhalten und töten können, sondern auch verdauen. Der Prozess funktioniert mithilfe von Verdauungsenzymen und/oder Bakterien. Sie zersetzen die Beute und machen ihre Bestandteile für die fleischfressende Pflanze verwertbar.

Die Venusfliegenfalle

Die Bekannteste und Beliebteste der fleischfressenden Pflanzen ist die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula). Der Anblick dieser Karnivore ist furchterregend und faszinierend zugleich: Zahlreiche kleine Mäuler – mit einem blutroten Schlund und spitzen, langen Zähne – strecken sich einem entgegen.

Die Venusfliegenfalle fängt Insekten mit Klappfallen, einem selten und sehr ausgeklügelten Fangmechanismus. Hier kommt der Schlund ins Spiel. Er färbt sich bei Sonneneinstrahlung leuchtend rot und verströmt einen süßen, für Insekten betörenden Duft. Damit simuliert die Venusfliegenfalle eine lecker gefüllte Blüte und lockt die Beute an. Feine Härchen an der Innenseite der Fangblätter registrieren die leichtesten Bewegungen und schlagen Alarm, sobald sich ein Insekt nähert. Damit nicht etwa ein Regentropfen oder etwas anderes Fehlalarm auslösen, muss es innerhalb kurzer Zeit zu mindestens zwei Berührungen kommen. Das ist klug gelöst, den ein Fangblatt kann im Laufe seines Lebens nur etwa sieben Mal zuschnappen.

Ist das Insekt erst einmal in der Falle, gibt es kein Entrinnen mehr. Die gitterstabförmigen Borsten schließen sich immer fester um das Beutetier. Wenn es dabei zerquetscht wird, war das Schicksal gnädig. Im anderen Fall erlebt das Insekt seine Verdauung bei lebendigen Leib. Es dauert drei bis zehn Tage, bis die fleischfressende Pflanze ihr Werk verrichtet und alle Nährstoffe aufgenommen hat. Dann öffnet sich die Falle wieder und gibt die nicht verwertbaren Überreste frei, beispielsweise einen Insektenpanzer. Nun sind die Fangblätter wieder scharf gestellt und warten auf ihr nächstes Opfer.

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Herkunft: Die Harten kommen nicht aus dem Garten

Saure Moore, karge Felsen, Wüsten oder sogar das Abklingbecken eines stillgelegten Atomkraftwerks: Fleischfressende Pflanzen kommen überall da vor, wo andere Gewächse kaum eine Überlebenschance haben. Das hat einen Grund: Karnivoren wachsen sehr langsam, denn Fallen und Fangblätter betreiben weniger Fotosynthese als normale Laubblätter und kosten der Pflanze daher viel Energie. In Gegenden mit viel Konkurrenz werden die Fleischfresser leicht verdrängt und besetzen daher oft ökologische Nischen. Da sie ihren Speiseplan mit Fleisch aufpeppen, kommen sie mit Nährstoffknappheit ja auch wunderbar zurecht.

Worauf fleischfressende Pflanzen aber nicht verzichten können, sind Licht und Wasser. Nur so ist die lebenswichtige Fotosynthese überhaupt möglich. Karnivoren leben daher überwiegend in sehr sonnigen Gegenden wie in den Tropen oder in warm gemäßigten Zonen: Die Venusfliegenfalle ist vor allem im Süden der USA beheimatet, das Sonnentau in Australien, die Kannenpflanze in Südostasien – aber auch in Europa und im deutschsprachigen Raum leben fleischfressende Pflanzen.

Hierzulande sind Karnivoren vor allem auf sehr feuchten Böden wie in Mooren und Sümpfen zu finden. Denn wie gesagt: Fleischfressende Pflanzen benötigen Licht und sehr viel Feuchtigkeit. Bei den meisten Arten muss die Luftfeuchtigkeit 70 Prozent oder mehr betragen. Deshalb haben sich sehr viele Fleischfresser in tropischen Gebieten entwickelt. Mitten drinnen im Dschungel allerdings nicht, denn dort versperren Baumgiganten den Weg der Sonnenstrahlen.

Manche Arten decken den Wasserbedarf auch über Nebel oder Tau und kommen daher in hoch gelegenen Nebelwäldern oder in Senken am Wasser vor. Die Wasserschläuche (Utricularia) leben am und sogar im Wasser.

Da fleischfressende Pflanzen in ökologisch sehr sensiblen Gebieten leben, sind sie aufgrund der zunehmenden Umweltzerstörung vom Aussterben bedroht. Viele Arten sind stark dezimiert oder bereits völlig verschwunden. Karnivoren stehen daher in den meisten Fällen unter Umweltschutz.

Das Sonnentau

Vor allem eine fleischfressende Pflanze ist auch im deutschsprachigen Raum heimisch: Das Sonnentau (Drosera) wächst in Moorlandschaften, die mit ihren nährstoffarmen, sauren Böden nicht gerade lebensfreundlich sind. Um hier zu überleben, braucht die Karnivore ab und an ein gutes Stück Fleisch. Auf den Blättern des Sonnentaus sitzen daher jede Menge Tentakeln. Um die Beute anzulocken, sondern diese einen Duftstoff ab, der wie Tautropfen auf den feinen Härchen perlt – daher kommt auch der Name dieser fleischfressenden Pflanze.

Hat ein Insekt erst einmal an einem Tentakel mit dem süßen Sekret angedockt, ist sein Schicksal besiegelt. Die umliegenden Tentakel schließen sich wie Greifarme ebenfalls um das arme Tier und halten es fest. Wenn die Beute nicht langsam an dem zähen Sekret erstickt, stirbt es ebenso qualvoll an Erschöpfung. Die Tentakel sondern derweil Verdauungsenzyme ab, die das Tier langsam zersetzen. Drüsen auf der Blattoberfläche nehmen die Nährstoffe auf, die dabei entstehen.

In tropischen Ländern kann das Sonnentau einen Durchmesser von bis zu 70 Zentimetern erreichen. In unseren Breiten bis zu acht Zentimeter. Übrigens wird das Sonnentau seit vielen Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Zu Tee verarbeitet soll es Husten und Lungenerkrankungen lindern.

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Einfache Tricks für die Pflege fleischfressender Pflanzen

Die Pflege fleischfressender Pflanzen ist gar nicht so schwer. Man muss nur ihre Herkunft und deren Umweltbedingungen im Hinterkopf behalten: Fleischfressende Pflanzen brauchen nährstoffarme Erde, viel Licht und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit.

Viele Arten können deshalb nur im Terrarium gehalten werden. Venusfliegenfalle und Sonnentau überleben aber auch im Topf. Hier sollten Sie aber vor allem im Winter auf eine hohe Luftfeuchtigkeit achten, sie regelmäßig besprühen oder einen Untersetzer mit Wasser mit auf die Fensterbank stellen.

Apropos Untersetzer mit Wasser: Karnivoren sollten durchgehend feucht gehalten werden. Falls Sie nicht mehrmals pro Tag gießen wollen, können Sie die Pflanzen auch in dieses feuchte Bad stellen. Leitungswasser ist jedoch meist zu hart, also zu kalkhaltig. Am wohlsten fühlen sich fleischfressende Pflanzen im Regenwasser. Alternativ ist auch destilliertes Wasser in Ordnung.

Der Standort sollte so hell wie möglich sein. Im Sommer kann der Platz an der Sonne aber zu Verbrennungen führen. Vor allem um die Mittagszeit sollten die fleischfressenden Pflanzen daher besser im Halbschatten stehen. Bei hohen Temperaturen fühlen sie sich in der Regel sehr wohl. Im Winter sollten Sie unbedingt Frost vermeiden. Das Thermometer sollte nicht unter 18 Grad fallen.

Auch hier gibt es Ausnahmen: Venusfliegenfalle und Schlauchpflanze sind teilweise winterhart und können auch im Freien kultiviert werden. Hier eignet sich ein selbstgebautes Moorbeet. Dieses lässt sich ganz leicht selbst anlegen.

Auch bei der Erde sind Karnivoren anspruchsvoll. Das Substrat sollte den natürlichen Bedingungen weitestgehend entsprechen. Hochmoortorf ist ideal. Die Erde der fleischfressenden Pflanze niemals düngen! Sie können die fleischfressenden Pflanzen mit Fliegen und anderen Insekten füttern, müssen es aber nicht. Wichtig: Totes Fleisch kann von vielen fleischfressenden Pflanzen nicht verdaut werden und schadet ihnen sogar.

Die Schlauchpflanze

Die Schlauchpflanze (Sarracenia) ist die Todesfalle unter den fleischfressenden Pflanzen. Ihre Blätter sind zu hohlen Schläuchen eingedreht, die sich zum Boden hin verengen. Die Öffnung am Schlund ist hingegen einladenden geöffnet und lockt Insekten mit süßem Duft, betörenden Farben und einem süßen Nektar. Bei manchen Arten wie der Gelben Schlauchpflanzen enthält das schmackhafte Sekret einen Stoff mit betäubender Wirkung.

Ansonsten aber besitzen diese fleischfressenden Pflanzen einen passiven Fangmechanismus. Mücken, Fliegen und andere Insekten schauen buchstäblich in die Röhre, wenn sie einmal hineingeflogen oder gegrabbelt sind. An den glatten Innenwänden kommen sie nicht mehr empor. Feine abwärtsgerichtete Härchen versperren den Weg zusätzlich. Im unteren Teil des Tunnels ist die Beute den Verdauungssäften der fleischfressenden Pflanze hilflos ausgeliefert.

Schlauchpflanzen werden aufgrund ihres Aussehens auch Trompetenpflanzen oder Trompetenblatt genannt. Die meist aufrechten Rohre können bis zu einen Meter lang werden. Das Hütchen am oberen Ende der Pflanze suggeriert hilflosen Krabblern einen vermeintlich sicheren Unterschlupf. Besonders perfide ist zum Beispiel die Papageien-Schlauchpflanze, die im oft überschwemmten Mississippi-Delta zuhause ist. Steigt das Wasser, suchen Wasserflöhe und andere Krabbeltiere in ihr Schutz und krabbeln geradewegs in die Todesschläuche.

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Ein Fleischfresser für Zuhause

Fleischfressende Pflanze sind – obwohl sie immer beliebter werden – die Exoten unter den Zimmerpflanzen. Sie sind nicht ohne weiteres in jedem Blumenladen zu finden. Am besten stehen die Chancen für Fans der Venusfliegenfalle. Die Dionaea muscipula gibt es mittlerweile auch in größeren Gartencentern oder der Pflanzenabteilung gewisser Möbelhäuser.

Schlauchpflanzen und Kannenpflanzen sind auch vereinzelt im Fachhandel zu finden. Hier muss man allerdings schon etwas länger suchen. Gleiches gilt für den Sonnentau.

Sie können fleischfressende Pflanzen auch aussäen. Samen gibt es in Gartencentern und online. Hier sind aber sehr viel Geduld und jede Menge Pflege nötig.

Die Kannenpflanze

Die Kannenpflanze (Nepenthaceae) ähnelt vom Prinzip her der Schlauchpflanze. Auch sie besitzt passive Fallgruben. Diese haben Stiele, mit denen sie sich an Bäumen festkrallen. Man unterscheidet Bodenkannen und Hochkannen. Ursprünglich kommen diese fleischfressenden Pflanzen aus den tropischen Wäldern Südostasiens und Australiens.

Die Kannenpflanze lockt Insekten ebenfalls mit Duftstoffen und Nektar in ihr Inneres. Dort befindet sich eine sehr saure Verdauungsflüssigkeit. Bereits nach zwei Tagen ist von der Beute nicht mehr viel übrig. Die Kannen können bis zu einen halben Meter groß werden.

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